„Nähen ist nichts für mich, da ist mir viel zu technisch.“ Dies glaubte mein altes Überich reflexartig, wenn es nur in die Nähe einer Nähmaschine kam. 

Fand ich einen wunderschönen Stoff, dann sah ich schon die tollsten Sofakissen in diesem Stoff vor meinen Augen. In solchen Momenten ärgerte ich mich besonders, nicht nähen zu können. Eines Tages fiel mir eine günstige, mechanische Nähmaschine vor die Füße. Jetzt freute ich mich schon riesig auf meine Sofakissen. Leider war ich nach 20 Minuten des Rumprobierens mit meinen Nerven am Ende. Dieses furchtbare Auf-Weg-und Abspulen sollte oder wollte mir so gar nicht gelingen! Pah, und diese ganzen technischen Begriffe strapazierten mein Nerven! Ich verfrachtete das nette Ding in den Schrank und drückte es in den letzten Winkel. „Ich wusste es ja schon immer: Nähen ist nichts für mich!“ So verbrachte die Maschine noch 2 ganze Jahre im Schrank. Fun Fact: Das letzte Mal an einer Nähmaschine saß ich im Handarbeitsunterricht in der 5. Klasse.

 

 

Step-by-Step ins Abenteuer Nähen

 

Und dann kam der Moment, in dem ich mein Antitechnik-Monster endlich bezwang, in dem ich mich Step-by-Step an das Thema Nähen herantastete. Kurz vor Weihnachten 2018 mistete mein Mann seinen Kleiderschrank aus. Ein ganzer Stapel Herrenhemde lagen schon für die Kleidertonne bereit. Da dachte ich mir, dass sich daraus doch wunderschöne Kissen machen ließe und so stürzte mich ins Abenteuer Nähen.

 

Von diversen Nähfüssen bis Fadenspannung 

Nähfüße

v.l.n.r. Standard-Zickzack-Fuß, Blindstichfuß, Knopflochschiene, Stickfuß, Applikationsfuß, Abkettel

Als erstes befasste ich mich intensiv mit der Bedienungsanleitung und machte mich mit den technischen Begriffen vertraut. Interessant fand ich die Funktionen der verschiedenen Nähfüße. Das war mir zuvor gar nicht bewusst, dass man z.B. für das Einnähen eines Reißverschlusses oder Sticken gesondertes Zubehör braucht. Dazu ließ ich mir alle Schritte bei YouTube erklären. Endlich war mir klar, was es mit der sagenumwobenen Fadenspannung auf sich hat. Nach den theoretischen Basics überlegte ich mir ein einfaches Einsteigerprojekt: ein Kissen ohne Inlett. Dazu hatte ich ja einen Berg „Teststoffe“ zur Verfügung.

 

 

Die Kissen werden immer individueller und ausgefeilter

 

Wow, es lief und so entstand ein Kissen nach dem anderen. Als nächstes wollte ich ein Kissenbezug nähen, in den man ein Inlett einfügen kann. Ich stieß auf eine einfache, unkomplizierte Verschlussvariante, die ohne Reißverschlüsse auskommt: Ein sogenannter Hotelverschluss. Was es nicht alles gibt! Ich recherchierte: In Hotels werden diese Kissenbezüge gerne genutzt, weil es das Wechseln der Bettwäsche vereinfacht.

Im folgenden Schritt tastete ich mich an das Kurven-und Rundungen nähen heran, dann an das Applizieren von Bildern. So entstand nach und nach ein kleines Kunstwerk in Form eines Aromakissens. Die Kissen verschenkte ich schließlich zu Weihnachten. Und was soll ich sagen? Sie schlugen ein wie eine Bombe. Mit der Zeit wurden meine Kissenideen immer ausgefeilter und individueller. Vor 1,5 Jahren stieg ich dann auch auf eine komfortablere, elektronische Nähmaschine der Firma W6 um, die ich im übrigen wärmstens empfehlen kann. Vor ca. 1 Jahr kam noch ein Sticktisch dazu. Seither kann ich die Kissen sogar personalisieren. Als Geschenk für Geburt und Taufe werden diese Kissen gerne bestickt verschenkt.

 

 

Wie ich meinen Anti-Technik-Glaubenssatz entkräftete: Die Sache mit dem „Scheinberg“ und die Erkenntnis, dass ich doch nähen kann. 

 

Hin und wieder begegnet mir das Phänomen des „Scheinberges“. Aus der Entfernung betrachtet erscheint ein Projekt als ein unüberwindbarer Berg. Steuert man auf diesen Berg zu und nimmt ihn in Angriff, schrumpft er auf wundersame Weise auf einen kleinen Wiesenhügel zusammen.

Im übertragenen Sinne erlebte ich das bei vielen Projekten. Meine zuvor gedachten Glaubenssätze „Ich kann das nicht“ wurden durch „Wow, ich habe es geschafft!“ ersetzt. Gerade arbeite ich an meinem Projekt WordPress. Und Step-by-Step schlage ich mich durch den Content-Management-Dschungel. Und was soll ich sagen: Es wird!

 

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