Die Annahme, dass man beim Waldbaden Bäume umarmt und danach die Welt für einen in bester Ordnung ist, ist sehr verbreitet, dabei geht es beim Waldbaden um weit mehr. Hier steht vor allem der enge Kontakt zur Natur im Mittelpunkt. Nimm dir für das Waldbaden Zeit und gehe langsam und schweigend, damit du die ganze Wald-Atmosphäre mit allen deinen Sinnen in dich aufnehmen kannst.

Waldbaden kann vieles! Es hilft dir, in einen achtsamen Kontakt mit dir selbst zu kommen, dich zu entspannen und Ruhe zu finden. Deine Energie-Akkus können sich aufladen, wodurch du dich energievoller fühlst und mehr Lebensfreude empfinden kannst. Durch die Bewegung an der frischen Luft wird dein Kopf frei, Prozesse können in Gang kommen und deine Gedanken sich wie von selbst sortieren.

Am Samstag war ich mit Linda Hennersdorf und ihrer Waldbade-Gruppe im Walldorfer Wald unterwegs. Das Wetter war nebelig, feucht und der Duft der Terpene daher besonders intensiv. Ideales Waldbade-Wetter also! Dieser typische Waldduft wirkt übrigens sehr wohltuend auf den Körper.

Bevor wir losgingen, stimmte Linda die Gruppe mit einer kleinen Meditation ein. Mir kam dabei in den Sinn: „Achte auf die Zeichen, die sich dir zeigen wollen!“

 

 

1. Synchronizität

 

Gleich zu Beginn fiel mir dieser Baum auf, auf den fast parallel laufende weiße Linien aufgemalt waren. Meine Gedanken blieben beim Wort Synchronizität hängen.  

Allgemein versteht man unter Synchronizität, dass ein gefühltes Inneres mit dem Äußeren zusammenfällt, ohne dass es dabei einen direkten Zusammenhang gibt. Der Sinn erschließt sich manchmal intuitiv oder erst durch Deutung. Oft versetzt einen das Phänomen der Synchronizität in Staunen, Erschrecken oder Lachen, wie ich selbst bestätigen kann.

Hier habe ich dir einige Beispiele aufgeführt, damit du dir vorstellen kannst, was mit Synchronizität gemeint ist:

  • Gerade dachtest du an jemanden und kurze Zeit später ruft dieser an.
  • Du überlegst dir gerade intensiv, dich von etwas oder jemanden zu lösen, in diesem Moment zerspringt ein Teller.
  • Du wünschst dir eine Katze und plötzlich läuft dir eine besitzerlose Katze zu.
  • Du arbeitest an einem Problem und plötzlich spricht jemand über die Lösung.

Der Baum mit den zwei Linien deutete ich als Symbol für Synchronizität, die ich im Zusammenhang mit meiner berufliche Neuausrichtung Trauerbegleitung und Erinnerungskissen-Nähkurse sah: Indem ich mich bewusst mit meiner neuen Ausrichtung verbinde, werden sich Möglichkeiten im Außen zeigen und alles wird sich wie von selbst ergeben und entwickeln. 

 

 

2. Konzentration

 

Als nächstes begegnete ich einem Baum, in dessen Rinde ein großes X eingeritzt war . „Konzentration und den Fokus justieren, darum geht es!“

In der Ferne konnte ich ein leises Rauschen einer Autobahn hören und in dieses Rauschen vermischte sich zartes Vogelgezwitscher. Ich begann, mich bewusst auf das Vogelgezwitscher zu konzentrieren. Mit der Zeit übertönte es das Rauschen der Autobahn und wurde immer lauter, weil sich bei diesem Experiment mein Fokus veränderte. Ich war erstaunt, wie einfach das war!

Ich überlegte, dass es in meinem vollen Alltag manchmal auch so ist, dass ich nur das „Rauschen des Alltags“ höre und die zarten, leisen Töne, die mein Herz berühren, in den Hintergrund treten. Ich deutete das Zeichen für mich so, dass es für mich wichtig ist, bewusste Auszeiten im Alltag einzubauen, um mich auf die leisen, zarten und nicht sichtbaren Dinge, die mein Herz berühren, zu konzentrieren.

 

 

3. Transformation

 

Wir gingen auf enge Wege entlang, dann fiel mein Blick auf diesen Baumstumpf. „Altes darf gehen, Neues darf kommen!“ Ich blieb stehen und stellte mir dabei vor, wie dieser Baum einmal ausgesehen haben mag, an den nur noch ein Baumstumpf erinnerte. Was ist wohl aus ihm geworden? Eines schien aber klar zu sein, dass er lange Zeit dort gestanden haben muss, ehe er in einen neuen Lebenskreislauf über ging. Vielleicht fiel er einem Sturm zum Opfer, dabei vermoderte sein Holz und düngte den Erdboden, wodurch Pflanzen neue Nährstoffe für ihr Wachstum ziehen konnten. Oder jemand baute aus seinem Holz einen schönen Schrank, an dem er seine Freude hat. Indem der Baum seinen Platz frei gab, stärkte er auch alle anderen Pflanzen in seinem Umfeld, weil diese mehr Raum und Licht zum Wachsen hatten.

Während ich in mich hineinhorchte, kamen mir meine Kinder in den Sinn. Ist mein eigener Wandlungsprozess nicht ähnlich wie beim alten Baum zu sehen? Indem ich mich immer weiter zurücknehme, meinen Platz frei mache, kann ich der jungen Generation ihren Freiraum geben, den sie braucht, um sich zu entfalten und ihren eigenen Weg zu finden. Ich selbst darf in meinen eigenen Transformationsprozess gehen, der für mich neben meiner Rolle als Mutter und Ehefrau, neue, besondere Aufgaben vorsieht. 

 

 

4. Erdung 

 

Als ich den Namen auf dem Wegweiser las, kam mir der Spruch: „Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“. Er beschrieb eine alte Verhaltensregel im Wald, wenn ein Gewitter aufzieht. Was natürlich nicht bedeutet, dass einen unter dem Schutz einer Buche nicht doch der Blitz treffen kann.

Aus spiritueller Sicht ist das Buchenholz ein guter Seelentröster, weil es Festigkeit, Klarheit und Geborgenheit ausstrahlt. Dazu wird ihm eine entspannende Energie zugesprochen, dazu soll es die Klärung von Gedanken fördern.

Ich mag Buchenholz unter den vielen Holzarten besonders gerne, viele unserer Möbel zu Hause sind aus diesem Holz gefertigt. Vielleicht soll der Sinnspruch mir vermitteln, wenn Gewitter im Alltag aufziehen, ich mich bewusst mit dem Geist der Buche verbinden soll? Bestimmt das auch.

In beruflicher Hinsicht kam mir der Erinnerungskissen-Nähkurs in den Sinn, den ich gerade plane. Im ersten Teil möchte ich einen Erinnerungs-Spaziergang ähnlich wie Waldbaden mit den Teilnehmern machen. Es gibt dafür bestimmt keinen passenderen Ort dafür als den „Buchenwaldmeister-Pfade“, der in unserem unmittelbaren Wald entlangläuft. Dabei darf der Geist der Buche den Kurs begleiten und dazu beitragen, dass sich Entspannung und Klarheit zeigen können.

 

 

5. Perspektivwechsel

 

Als ich diesen Baum sah, dachte ich sofort: „Das ist das Fenster in eine andere Welt, die nach innen führt.“ Es fühlte sich wie eine Art Einladung an, einen Einblick in diese Welt werfen zu dürfen. Ich war gespannt, was sich in ihr verbirgt und welche Erkenntnisse ich für mich mitnehmen werde.

Nachdem ich um den Baum herumging, entdeckte ich aus dieser Perspektiven zu meiner Überraschung das Profil eines Gesichtes.

Mir kam mein Erinnerungskissen-Nähkurse in den Sinn, weil es auch dort darum gehen wird, in die Welt anderer zu schauen, Perspektiven einzunehmen und verstehen zu lernen.

 

 

6. Zauber 

 

Zum Abschluss unseres Waldbaden-Spazierganges, fand ich diesen Baum, dessen Rinde beim genaueren Betrachten in allen Farben des Regenbogens schimmerte. Welch ein Zauber! Mir wurde es ganz warm ums Herz und ich hatte das Gefühl, ein besonderes Geschenk gefunden zu haben, das mich an den Waldbad-Kurs mit Linda erinnern sollte.

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