Es gibt Tage, an denen du einfach nur traurig bist, wenn du an deinen lieben Menschen denkst, der nicht mehr da ist. Vielleicht hättest du jetzt gerne etwas, das du drücken kannst und das dir Trost spendet. 

Weil ich in der Vergangenheit erlebte, wie tröstend ein Erinnerungskissen sein kann, habe ich ein Trauer-Coaching erarbeitet. Dazu ist folgenden Ablauf vorgesehen: Wir verabreden uns zu einem Zoom-Gespräch, bei dem ich dir Fragen stelle, die uns auf einfache Weise zu euren gemeinsamen Erinnerungen führen. Während des Prozesses entsteht dein Erinnerungskissen, das ich für dich nähe und dir zuschicke.

Wenn du möchtest, kann ich auch ein Kleidungsstück von deinem lieben Menschen mit einarbeiten. Das muss aber nicht unbedingt sein. Wir können auch einen „neutralen“ Kissenbezug gestalten, auf den ich Symbole oder Bilder appliziere. Der Bezug kann als Hülle für dein Erinnerungsstück genutzt werden, das du durch den Hotelverschluss immer wieder entnehmen kannst. 

Während des Gespräches lasse ich mich gerne von meiner Intuition führen. Dabei verbinde ich mich mit dir und kann mich so in dich hineinfühlen. Aus dieser Verbundenheit heraus zeigen sich vor meinem inneren Auge Bilder, Symbole oder mir kommt ein Wort oder ein Satz in den Sinn. Ich betrachte diese Dinge als Wegweiser im Gespräch, die uns zu etwas Wichtigem hinführen können. Ihre Botschaft hält immer etwas Positives für dich bereit und ist mit Liebe verbunden.

Damit du dir vorstellen kannst, wie ein Erinnerungskissen bei einem Trauer-Coaching entsteht, möchte ich dir dies anhand des Beispiels von Sabines Erinnerungskissen zeigen. In Absprache mit ihr darf ich dessen Entstehungsgeschichte erzählen. 

 

 

1. Vor dem Termin erreichte mich ein Vorabbild 

 

Vor einiger Zeit interviewte mich Sabine in eigener Sache zum Thema „5 Fragen zu Abschied und Trauer„, dabei kamen wir auf meine Idee der Erinnerungskissen zu sprechen. Sabine war begeistert davon und wir verabredeten uns zu einem Trauer-Coaching, bei dem wir ihr persönliches Erinnerungskissen gestalten wollten.

Sabine hatte letztes Jahr ihren Mann verloren. Ihr Wunsch war es, einem T-Shirt, das ihr Mann an seinem letzten Tag trug und das noch nach ihm duftete, einen Platz zu geben. Da Sabine immer noch nicht nähen konnte, war sie froh, dass ich diesen Part für sie übernehmen konnte.

In der Zeit zwischen Interview und unserem Termin kam mir ein Vorabbild in den Sinn, dessen Botschaft wir später entschlüsselten:

Sabines Mann stand im Wald an einer Wegkreuzung und es machte den Eindruck, als ob er auf sie wartete. In der Nähe gab es eine Holzbank. Dazu schien es eine warme Jahreszeit gewesen zu sein, denn die Bäume trugen saftige, grüne Blätter. Im Gras neben der Bank war ein Grenzstein zu sehen, der eine Runenaufschrift trug. Ich hatte das Gefühl, dass dieses Bild eine sehr wichtige Botschaft für Sabine beinhaltete, deshalb war ich gespannt, was sich dahinter verbergen sollte.

 

 

2. Was hat eine Krähe mit Sabines Mann zu tun? 

 

Seit unserem letzten Onlinetreff ergaben sich bei Sabine Neuigkeiten. Sie hatte ihre Seelenaufgabe als Trauergefährtin gefunden. „Und plötzlich war alles klar und ich wusste, wohin meine Reise geht.“ Das war eine schöne Nachricht. Ich war mir sicher, dass mein Vorabbild noch eine Botschaft dazu bereit hielt.  

Wald, Natur und die Kreuzung – Sabine erinnerte sich daran, dass ihr Mann kein Mensch war, der gerne nach draußen ging, schon gar nicht bei schlechtem Wetter! Aber den Sommer mochte er wohl von allen Jahreszeiten am liebsten. 

Plötzlich kam Sabine ein Gedanke! Seit einiger Zeit fiel ihr eine freche, sehr laut kreischende Krähe auf, wenn sie morgens zu ihrer Hunderunde aufbrach. Diese Krähe saß in der Baumkrone und hatte immer besonders viel zu meckern. Sabine sprach davon, dass es ihr so vorkäme, als ob der Vogel auf sie warten würde und sprach in Gedanken mit ihm: „Liebster, das ist doch gar nicht deine Zeit!“

Wir hatten gleichzeitig einen ähnlichen Gedanken: Das kann nur Tim sein! 

Man kann daran glauben oder nicht, aber Menschen, die gegangen sind, finden manchmal die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle, um mit ihren Angehörigen in Kontakt zu treten.

Sabine und ihr Mann lernten sich bei der Arbeit kennen und entwickelten als Zweiergespann die besten Geschäftsideen. In diesem Team war ihr Mann der Gründliche und Sabine die Meisterin, die an mehreren Flipchartblöcken gleichzeitig arbeitete. Ist es denn verwunderlich, dass er nun als Krähe von seinem Baum-Thron meckerte, um mit Sabine zu diskutieren, philosophieren und an neuen Geschäftsideen zu arbeiten. Oder hat einer Zweifel daran, dass es jetzt anders sein könnte?

Krähen sind übrigens Krafttiere, die die spirituelle Transformation unterstützen – und Mittler zwischen den Welten sind. Im weiteren Gespräch fanden wir dazu weitere Querverbindungen.

 

 

Sabines Erinnerungskissen bei der Fertigung

 

 

3. Die Botschaft hinter den Symbolen erkennen  

 

Mittlerin zwischen den Welten? „Das ist doch genau meine Arbeit als Trauergefährtin!“ Dazu kam mir der Begriff „Kommunikations-Brücke zwischen den beiden Welten“ in den Sinn. Dies beinhaltete für mich die Aufgabe zum einen zu helfen, Konflikte zu lösen, wenn noch Ungeklärtes zwischen den Angehörigen und dem lieben Menschen bestehen. Und zum anderen Angehörige dabei zu unterstützen, den Weg des Verstorbenen besser akzeptieren zu lernen.

Jetzt konnte ich auch das Bild des Grenzsteines verstehen, der für mich die Grenzen zweier getrennten Welten symbolisierte. Trotz der zwei Welten war es möglich, sich zwischen ihnen zu bewegen und dabei Erkenntnisse und Antworten auf Fragen zu erhalten. Die Zeichen auf dem Grenzstein deuteten für mich darauf hin, dass es einer  bestimmten Sprache bedarf, um sich in beiden Welten zurechtzufinden und sie verstehen zu können. Hierzu ist es z.B. hilfreich zu wissen, welche unterschiedliche Kommunikationswege in den verschiedenen Welten existieren. Vielleicht tauchte deshalb die Krähe in Sabines Welt auf? Die Bank war für mich eine Art Treffpunkt beider Welten, an dem man sich niederlassen und sich austauschen kann.

Welch wundervolle Botschaft dieses Vorabbild hatte!

 

 

4. Eine Krähe muss auf das Erinnerungskissen 

 

Nach diesem Gespräch war klar, dass eine Krähe auf das Erinnerungskissen musste. Dazu hatten wir die Idee, einen Kissenbezug zu nähen, in den Sabine das T-Shirt hineintun konnte. So konnte es unversehrt bleiben und sie musste ihren Schatz nicht aus den Händen geben. Ich hatte große Freude daran, dieses besondere Krähen-Kissen zu nähen. 

Ein paar Tage nach unserem Gespräch erreichte mich ein Foto von Sabine, auf dem ein Tattoo einer Krähe zu sehen war. Sabine hatte doch tatsächlich vergessen, dass sie sich vor Jahren eine Krähe auf ihren Oberschenkel tätowieren ließ. Kann das alles ein Zufall sein? 

fertiges Kissen

Das Krähen-Tattoo auf Sabines Oberschenkel

 

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