Ich glaube, dass heilsame Erinnerungen das zentrale Element sind, die den Trauerprozess positiv beeinflussen können. Deshalb möchte ich dir diese näher beschreiben. Dazu wie heilsame Erinnerungen wirken, wie sie entstehen und welche Möglichkeiten es gibt, heilsame Erinnerungen für die Ewigkeit und nachfolgende Generationen festzuhalten

Deine Erinnerungen kann dir niemand nehmen. Sie sind kostbar und ein Balsam für deine trauernde Seele. Sie können dir helfen, den Blick auf Dinge zu richten, die dir in traurigen Momenten Halt und Trost geben.

Was du dafür tun musst?

Auf eine Reise gehen – auf die Reise zu deinen Erinnerungen, damit du dich mit ihrer Trost spendenden Energie verbinden kannst.

 

 

1. Wie heilsame Erinnerungen wirken

 

Auch wenn der Mensch, den du liebst, nicht mehr da ist, kannst du dich über deine Gedanken mit ihm verbinden, dabei spielen heilsame Erinnerungen eine wichtige Rolle.

In diesem Moment, in dem du dich erinnerst, schickst du deine Gedanken in Zeiten und an Orte, als noch alles gut war. Sobald du bei deinen Erinnerungen angekommen bist, bist du nicht mehr allein. Dann sprudeln die Geschichten des Menschen, der dich im Herzen berührte, aus dir heraus und lassen ihn präsent werden.

  • Dabei können Erinnerungen durch Gerüche, Stimmungen ausgelöst werden wie z.B. an die frühen Frühlingstage, an denen Aufbruch in der Luft liegt, wenn ihr an solchen Tagen gemeinsam aufgebrochen seid, um den Frühling zu suchen.
  • Auch Lieder, die du hörtest, als du deinem lieben Menschen nahe warst, können Erinnerungen wachrütteln.
  • Inspirationen! Vielleicht hast du etwas geschafft, wozu dich der Verstorbene inspiriert hat.
  • Orte, die du vielleicht nie besucht hat, aber die dem lieben Menschen eine besondere Bedeutung hatten, können dich deinem geliebten Menschen nahe bringen.
  • Genauso sind es vertraute Wege, die du noch einmal gehst.
  • Ein Erinnerungstagebuch, das zu Lebzeiten verfasst wurden, kann dir in schweren Stunden Trost spenden.

Genau deshalb kann es für die Trauerverarbeitung heilsam sein, die Spuren zu den Erinnerungen bewusst zu suchen und die guten Gefühle von dort mitzunehmen. So können dich deine Erinnerungen in schweren Momenten trösten, dich aus dem Tief herausholen und dir Mut machen.  

 

 

2. Erinnerungen an meine Oma

 

Oma Leni

Meine Oma war ein Mensch, mit dem ich mich noch heute sehr verbunden fühle. Wenn ich an sie denke und mich mit Dingen beschäftige, die uns verbanden, dann wird mir ganz warm ums Herz.

An meiner Oma mochte ich besonders ihre fürsorgliche und warmherzige Art. Wenn ich als Kind krank war, umsorgte sie mich und salbte meine Bronchien mit Pinimenthol ein, „denn das heilt“, wie sie immer sagte. Nachdem wir gemeinsam gebetet hatten, sang sie ein Gutenachtlied, meist „Guten Abend, gute Nacht“, weil mir das besonders gut gefiel. Sie hatte dazu eine beruhigende Stimme. Wenn ich heute daran denke oder mir der Pinimenthol Duft um die Nase weht, dann erinnere ich mich an damals und dass ich mich bei meiner Oma geborgen fühlte. 

Meine kreative Ader habe ich wohl auch von meiner Oma geerbt. Sie liebte ihre Handarbeiten, besonders das Sticken von Wandbildern und Tischdecken. Als ich 5 Jahre alt war, brachte sie mir das Häkeln und das Nähen bei. 

Etwas Besonderes war es, wenn sie aus ihrem dicken Märchenbuch vorlas oder auch eigene selbst erfunden Geschichten erzählte, von denen sie ein ganzes Repertoire besaß. Ihre Art wie sie dies tat zog mich in ihren Bann. Ich konnte ihr stundenlang zuhören und ich kann mich daran erinnern, dass „Schneeweißchen und Rosenrot“ und „Die Salzkönigin“ meine Lieblingsmärchen waren. Obwohl ich diese schon unzählige male gehört hatte, lag ich immer gespannt unter der Bettdecke und lauschte ihr.

 

Kuchen

Was ich noch mit meiner Oma verbinde, ist ihre legendäre „Kühlecremtorte“, einer speziellen Sahnetorte, die es in der Erdbeer- und Nussversion gab. Manchmal backte sie den Kuchen einfach, weil sie meiner Schwester und mir eine Freude machen wollte. Einige Jahre vor ihrem Tod vermachte sie mir das Rezept und an ihrem Geburtstag backe ich meist den „Oma-Gedächtnis-Kuchen“ und denke dabei an sie.

 

 

3. So kannst du heilsame Erinnerungen schaffen

 

Damit heilsame Erinnerungen entstehen können, ist es wichtig, möglichst viele und schöne Erlebnisse zu kreieren. Gemeinsam verbrachte Zeit z. B. schweißt zusammen und verbindet dich mit deinen geliebten Menschen – über den Tod hinaus. Egal was ihr zusammen unternehmt, habt einfach Spaß miteinander. Egal ob beim Kochen,  Musizieren, Spielen, Backen, Basteln oder bei was auch immer.  

Auf den Punkt gebracht: 

 

1. Erinnerungen beinhalten ein Vorrat an Hochgefühlen. 

 

Wie wertvoll ist es, in Zeiten der Einsamkeit und des Alleinseins sich zu erinnern und sich zu vergegenwärtigen, nicht allein und „eingebettet“ zu sein.

 

2. Erinnerungen geben dem Leben einen Sinn und eine Bedeutung

 

Erinnerungen lassen dein eigenes Leben bedeutungsvoller erscheinen und geben diesem einen Sinn. Daneben rücken sie deine eigene Endlichkeit und den Tod in den Hintergrund.

 

3. Sich zu erinnern hat eine positive Wirkung auf Beziehungen

 

Das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen verbindet und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl.

 

4. Sich zu erinnern lässt einen warm ums Herz werden

 

Einfach ausgedrückt, heilsame Erinnerungen lassen die Liebe um dich herum fließen.   

 

 

4. Doch wie kommen Erinnerungen eigentlich in den Kopf?

 

Damit sich Erinnerungen längere Zeit verankern können, sind Gedächtnisprozesse notwendig. Auf dein Gedächtnis prasseln jede Menge Informationen ein, aber nur diejenigen gelangen ins Langzeitgedächtnis, die für dich eine Bedeutung haben und die dich berühren. Bei Bedarf kannst du diese Informationen dann wieder abrufen.

Das Zentrum deines Gedächtnisses befindet sich im Gehirn. Hier werden deine Erinnerungen verarbeitet. Emotionen werden in der Amygdala abgespeichert, sachliche Inhalte hingegen im Hypothalamus. Über Nervenbahnen sind diese zu einer Einheit verschmolzen.

Dazu kommt, dass Erinnerungen mit starken Sinnesreizen z. B. einem Duft, einer Melodie oder eine Berührung verbunden sind. In diesem Moment, in denen ähnliche Reize auftreten, sind diese Emotionen schnell lebhaft und detailliert präsent.

  • Hörst du Tante Lisbeths Lieblingssong im Radio, sind deine Erinnerungen an sie sofort lebendig. „Wie sie dazu tanzte und mitsang!“
  • Plötzlich riechst du den Duft von Opa Emils Parfum und schon sind die Erinnerungen an deinen Lieblingsopa wieder gegenwärtig. „Wie schön war es, mit ihm Karten zu spielen und mit ihm albern zu sein.“

Die Erinnerungen, die sich dann zeigen, können so intensiv sein, dass sie sogar weniger schöne Augenblicke oder Erlebnisse verblassen lassen. 

 

 

5. Drei Möglichkeiten, wie du deinen Erinnerungen einen Raum geben kannst

 

1. Erinnerungskissen

Erinnerungskissen

Ein persönlich gestaltetes Erinnerungskissen kann dich trösten und dir Halt geben, wenn du traurig bist. Kuschel dich in das Kissen und lass dich von seinem magischen Zauber mitnehmen. Ein Erinnerungskissen ist mit Geschichten und schönen Erinnerungen gefüllt, die dir helfen, dich an Zeiten zu erinnern, in denen noch alles gut war. Du darfst diese schönen Gefühle in dein neues Leben mitnehmen und aus ihnen Motivation und Zuversicht ziehen.

 

2. Erinnerungsfilm

Opa mit Enkel

Berührende Lebensmomente in einem persönlichen Film festgehalten. Der Film ist ein Fundus mit schönen und tröstlichen Dingen, die du mit dem geliebten Menschen verbindest. Er enthält persönliche Geschichten und heilsame Botschaften, die in schweren Momenten Trost spenden können.

Der Film kann z.B. auf der Trauerfeier gezeigt werden, um bewusst an den Verstorbenen zu erinnern. Dazu kann auf diesem Weg eine tröstende Botschaft an die Angehörigen gerichtet werden.

Mehr unter Dein Erinnerungsfilm

 

3. Erinnerungsbuch

Mann mit Gitarre

Wie schön ist es, im Erinnerungsbuch über Julius zu blättern und ihn zu sehen, wie er mit seiner Gitarre gute Laune verbreitete.

Ein persönlich gestaltetes Erinnerungsbuch kann in Zeiten trösten und gemeinsame Erlebnisse in Erinnerung rufen. Dazu kann es ein Vermächtnis für die nächste Generation sein. 

Mehr unter Soulance: Trost durch Erinnerungen, Erinnerungsbücher

 

 

6. Frage an dich -> Schreibe gern in die Kommentare 

 

Welchen Weg hast du für dich gefunden, deinem geliebten Menschen einen Platz in deinem Leben zu geben? Hast du besondere Rituale? Welchen guten Tipp kannst du anderen Trauernden mitgeben, wie er einen Weg für sich finden kann?

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