2017 verstarb mein Schwager – plötzlich und unerwartet mit nur 46 Jahren, weil sein Herz aufhörte zu schlagen. Das war ein Schock für unsere ganze Familie!

In der folgenden Zeit durchlebte ich meinen ganz persönlichen Trauerprozess mit allen Phasen, die dazugehörten. Mit der Zeit fand ich meinen eigenen Weg, mit dem Gefühl der Trauer umzugehen und das Erlebte in mein Leben zu integrieren.

Gerade mache ich eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin, weil es mir ein Anliegen ist, meine Trauererfahrungen anderen Trauernden weitergeben zu können. Mit meiner Arbeit möchte ich sie dabei unterstützen, neue Perspektiven einzunehmen und einen neuen Lebenssinn zu finden. Vielleicht kann mein Erinnerungskissen-Nähkurs dazu gute Impulse geben.

Wie ein Trauerprozess abläuft und welche Phasen in der Regel damit einhergehen, stellt  Verena Kast in ihren 4 Trauerphasen sehr gut dar. Wobei zu berücksichtigen ist, dass es sich hierbei lediglich um ein Modell handelt und die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen fließend sind. Während des Trauerprozesses ist es möglich, kurzzeitig in eine vorherige Phase zurückzufallen.

 

 

1. Trauerphase des Nicht-Wahrhaben-Wollens

 

Wenn die Todesnachricht eintrifft, ist alles unfassbar, nicht begreifbar und es fühlt sich vielleicht so an, als ob du Teil eines ablaufenden Filmes bist. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob der Tod überraschend kam oder ob sich dieser abzeichnete. Die Heftigkeit der Reaktionen hängt oft damit zusammen, je näher du dem verstorbenen Menschen standest und wie tief eure Beziehung war.

 

Typische Reaktionen

So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Reaktionen in ihrer Trauer, die sich im Verhalten und in deren Ausprägung zeigen. Der Körper reagiert mit einem schnelleren Pulsschlag, Schwitzen, Übelkeit oder mit Unruhe. Manche Menschen sind fast außer sich, andere wiederum ziehen sich zurück, sind apathisch und erstarren regelrecht.

 

Dauer 

Die Dauer dieser Phase kann von Stunden bis zu einer Woche andauern. Dabei spielen die Todesumstände eine wichtige Rolle. Besonders in den Fällen, in denen der  Tod plötzlich eintrat, fällt es den Angehörigen oft schwer, das Geschehene zu erfassen und zu glauben.

 

Meine persönliche Trauererfahrung 

Ich hatte das Gefühl, dass das, was gerade geschehen ist – einfach unfassbar war! Erst als wir vor Ort eintrafen, begann ich langsam zu begreifen. Dazu verspürte ich eine diffuse, schmerzende  Schwere in meinen Armen, ich fühlte mich erstarrt und ich hatte Mühe, mich in Bewegung zu setzen.  

 

 

2. Trauerphase des Aufbrechens von Emotionen

 

Die zweite Phase ist davon geprägt, dass plötzlich Gefühle aufbrechen und an die Oberfläche dringen. Diese Bandbreite der Gefühle ist groß und kann von Wut, Zorn, Leid, Schmerz oder Freude über Traurigkeit oder Angst reichen. Dieses Gefühlschaos kann dir ganz schön zu schaffen machen.

 

Typische Reaktionen

Die Frage nach dem Warum steht hier im Mittelpunkt und ob das Geschehene verhindert hätte werden können.

  • War ich zu wenig aufmerksam?
  • Habe ich etwas übersehen?
  • Hätte ich es verhindern können?

Manchmal hadern die Hinterbliebenen und sind wütend auf das Schicksal, von dem sie sich bestraft fühlen. Oder sie richten ihre Aggressionen direkt auf das Umfeld, auf den Verstorbenen oder sogar gegen sich selbst.

 

Dauer 

Diese Phase kann von mehreren Wochen bis einigen Monaten andauern.

 

Meine persönliche Trauererfahrung 

Auch mich bzw. vor allem meinen Mann plagte die Frage, ob das Geschehene hätte verhindert werden können. Einige Zeit vor seinem Tod war mein  Schwager wegen Beschwerden beim Arzt, der aber Entwarnung gab. Und natürlich kreisten jetzt Gedanken darum, ob die Untersuchungen ausreichend waren.

In den Tagen danach fühlte ich mich erschlagen, erschöpft und neben dem Chaos verspürte ich eine Sehnsucht nach Normalität. Einzukaufen, mit dem Hund Gassi zu gehen, Blumen umtopfen, hatte für mich genau diesen Hauch von Normalität und ließen meine Trauer für diese Zeit in den Hintergrund treten.

Dazu hatte ich einen ausgeprägten Redebedarf, weil ich zu diesen Menschen gehöre, die über Reden verarbeiten. Damals war ich dankbar, Menschen zu haben, die mir einfach nur zuhörten und mir die Hand hielten.  

 

 

3. Die Trauerphase des Suchens und des Sich-Trennens

 

In dieser Phase geht es darum, in einem ersten Schritt dir ein neues Leben ohne deinen lieben Menschen vorzustellen. Vielleicht kommt ein verstärktes Bedürfnis auf, gemeinsame Erlebnisse einzusammeln und für dich zu konservieren. Du besuchst gemeinsame Orte oder übernimmst Gewohnheiten deines lieben Menschen, um auf diese Weise mit ihm verbunden zu sein. Dies kann schön, aber auch zugleich sehr schmerzhaft sein.

 

Typische Reaktionen

Diese Phase ist sehr entscheidend, ob es dem Trauernden gelingt, zurück in sein Leben zu gehen. Manchmal ist ein Gefühl der Leere spürbar, weil noch keine Perspektive in Sicht ist, aus der sich Sinn ergeben könnte, um weitergehen zu können. Hier geht es vor allem darum, dranzubleiben, nicht aufzugeben und wenn notwendig, Hilfe anzunehmen. Übrigens, Hilfe zu suchen, hat nichts mit einem Eingeständnis von Schwäche zu tun, sondern ist ein Akt der Selbstliebe. Dazu habe ich einen Artikel über Selbstliebe geschrieben.

Brauchst du Unterstützung? Hierzu habe ich einige gute Tipps:

 

Dauer

Die dritte Phase kann kurz sein oder sich auch über ein paar Wochen hinziehen. In manchen Fällen dauert sie sogar Jahre.

 

Meine persönliche Trauererfahrung 

In dieser Phase half mir meine Energiearbeit. Dadurch ist es mir nicht fremd, auch über den Tod hinaus mit Menschen, die verstorben sind, in Verbindung zu sein und mit ihnen in Kontakt zu treten. Meine Überlegungen gingen daher schnell in diese Richtung, wie ich das Erlebte für mich integrieren könnte und welchen Platz mein Schwager bzw. die Erlebnisse in meinem neuen Leben bekommen könnten. Diese Phase dauerte bei mir geschätzt drei Wochen. 

 

 

4. Trauerphase des neuen Selbst- und Weltbezuges 

 

Wenn du gut durch die vorherigen Phasen gekommen bist, bist du jetzt bereit, dein eigenes Leben wieder aufzunehmen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Manchmal zeigen sich neue Pläne, in die du deinen lieben Menschen als Begleiter integrieren kannst. Dabei tun sich neue Lebensmöglichkeiten auf, die ganz losgelöst von der Beziehung zu deinem lieben Menschen sind, ohne dass es notwendig ist, dass du ihn vergessen musst. 

 

Typische Reaktionen

Trauer loszulassen ist nicht gleichbedeutend mit dem, auch den lieben Menschen loslassen zu müssen. Viel mehr geht es darum, im Prozess eine neue Art der Verbundenheit aufzuspüren und den lieben Menschen auf diese Art in ein neues Leben mitzunehmen. Damit dürfen die innere Ruhe und der persönliche Frieden zurückkehren.

 

Meine persönliche Trauererfahrung 

Ohne meine persönlichen Trauererfahrungen wäre ich nie zur Trauerbegleitung gekommen. So habe ich jetzt die Möglichkeit, anderen Trauernden etwas Positives auf ihrem Weg mitzugeben.

Damals geschah etwas Wunderbares, das meinen Fokus von jetzt auf gleich veränderte und mir half, einen Schritt nach vorne zu gehen. Ich zog eine Karte aus einem meiner Kartendecks, die ich gerne nutze, wenn ich eine Antwort auf eine Frage haben möchte.

Der Text dieser Karte war so anders als die der anderen Karten, die eher eine sachliche Sprache hatten. „All you need is love, Leidenschaft und Kreativität“. Ich war mir in diesem Moment sicher, dass es eine Botschaft meines Schwagers war, weil es seiner Sprache ähnlich war.

Ich glaube fest daran, dass unsere lieben Menschen Wege finden, um mit uns in Kontakt zu treten und mit uns zu kommunizieren. Warum sollte es nicht über eine Karte möglich sein.  

Mir wurde noch einmal klar, dass es im Leben nur darum geht, meine Seelenaufgabe mit Herz und Leidenschaft zu leben und meinem Leben einen persönlichen Sinn zu geben. Das tue ich inzwischen mit meinen online Erinnerungs-Gesprächen und Erinnerungskissen-Nähkursen, den es als Einzel-und als Gruppentermin gibt. 

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